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Europameisterschaften Melanies EM-Tagebuch [9]
Europameisterschaften

11.11.2011
10. November - 9. Tag: Frauen gewinnen & Männer im Spielrausch

Meine Vorbereitung heute begann mit einem Erpressungsversuch von Raj. Lena hatte ihm Aufnahmen gezeigt, auf denen Sarah und ich beim Singstar spielen zu sehen bzw. zu hören sind. Anscheinend muss es echt grausam geklungen haben... Arkadijs Kommentar zu unseren Singkünsten ließ jedenfalls auf Ähnliches schließen.

Wir fragten ihn also beim Abendbrot, ob er nicht morgen mit uns Singstar spielen wolle. Sarah fügte dann noch hinzu "Oh ja, da spielen wir Männer gegen Frauen … ihr seid zwar besser im Schach aber dann haben wir auch mal ein Erfolgserlebnis."

Arkadijs Antwort darauf: "Da wäre ich mir nicht so sicher… ihr habt doch gestern im Zimmer 610 gesungen oder?" Aber nicht nur diese Diskussion führte zu guter Laune. Beim Mittagessen durfte ich amüsiert Sarahs und Rajs Erörterungen betreffend Nasenhaar-Entfernungen lauschen, und auch Rajs Bemerkung über das Aussehen eines Apfels (nicht jugendfrei) führte zur allgemeinen Erheiterung.

"Beste Voraussetzungen" also für ein erfolgreiches Mannschaftsergebnis.

Es lief gegen Kroatien auch erst mal hervorragend. Als ich nach wenigen Minuten einen Blick auf mein linkes Nachbarbrett warf, konnte ich freudig feststellen, dass Lena bereits eine Gewinnstellung erreicht hatte. Ihre Gegnerin Kristina Saric hatte einen einfachen Trick übersehen und musste daraufhin die Qualität geben. Das Endspiel war für Lena schnell gewonnen, und wir gingen bereits nach eineinhalb Stunden 1:0 in Führung.

Sarah hatte sich mit Schwarz für Französisch entschieden und stand noch recht normal. Auffällig war, dass die ganze Zeit über drei Schiedsrichter an ihrem Tisch standen. Hinterher erfuhr ich, dass Sarah aufgrund der vielen Toilettengänge ihrer Gegnerin Mara Jelica Verdacht geschöpft hatte und den Schiedsrichter bat, die Sache im Auge zu behalten. Ob der Argwohn berechtigt war oder nicht, wird sich wohl nicht herausfinden lassen. Tatsache war jedenfalls, dass Sarah sich kaum auf die Partie konzentrieren konnte und vielleicht auch deswegen bald einen wichtigen Bauern einstellte. Aber das war eigentlich noch keine Katastrophe. Sarah meint selber, dass sie lieber schlecht steht und dann versucht zu tricksen , anstatt von vorneherein besser zu stehen.

Bei Marta und mir war alles im grünen Bereich. Wir standen beide in etwa ausgeglichen, und ich hatte obendrein gegen Borka Franciskovic noch einen wichtigen Zeitvorsprung. So langsam öffnete sich nämlich meine Stellung und es entstanden viele taktische Möglichkeiten, deren Berechnung schon ein wenig Zeit kosteten. Den entscheidenden Fehler machte meine Gegnerin im 38. Zug. Danach konnte ich zwangsläufig einen Bauern gewinnen und musste nur noch ihre Dauerschach- bzw. Mattdrohungen parieren. Mit meinem Punkt sicherte ich unseren Mannschaftssieg, da Marta kurz zuvor erstmals an Brett gegen Valentina Golubenko remisiert hatte.

Nun spielte nur noch Sarah. Ihre Partie war ein einziges Auf und Ab. Mit einem Bauern weniger versuchte sie irgendwie ihre Stellung zusammenzuhalten. Als dann der zweite Bauer verloren ging, hatte ich eigentlich keine großen Hoffnungen mehr. Als ich das nächste Mal aufs Brett schaute, hatte sie plötzlich nichts mehr weniger und selber einen gefährlichen Angriff gestartet. Es folgte eine spannende Zeitnotschlacht in der sich die Stellungsbewertung andauernd änderte. Zu einem unerfreulichen Zwischenfall kam es, als Sarahs Gegnerin mehrere Züge nicht notierte und Sarah den Schiedsrichter darauf aufmerksam machte. Dieser griff jedoch nicht wirklich ein, und die Partie wurde einfach fortgesetzt. Zu dem Zeitpunkt war Sarahs Stellung zwar schon verloren, so ein Verhalten ist jedoch trotzdem ärgerlich.

Weniger ärgerlich verlief das Männer-Match Deutschland -Aserbaidschan. Der Matchwinner war nicht nur für mich heute Arkadij, der mit Schwarz gegen Teimur Radjabow (2781) bereits nach der Eröffnung besser stand und sich seinen Punkt dann auch nicht mehr streitig machen ließ. Da die restlichen Bretter remisierten führen unsere Jungs nach der achten Runde zusammen mit Armenien das Teilnehmerfeld an. Die morgige Spitzenpaarung Deutschland-Armenien wird demnach über Gold entscheiden, und ich drücke unseren Männern natürlich ganz besonders fest die Daumen. Aber auch bei uns sieht es gar nicht so schlecht aus. Wir hatten großes Auslosungsglück und können mit einem Sieg gegen Israel sogar noch unseren Setzlistenplatz verbessern. Morgen beginnt die Runde schon um 13.00 Uhr - jetzt ist also erst mal Vorbereitung und dann schlafen angesagt.

Melanie Ohme



P.S. - oder was sonst noch passierte...

Was fällt einem bei Aserbaidschan sofort ein? Richtig, Garri Kasparow, der 13. Schachweltmeister ist in der Hauptstadt Baku geboren, und nicht nur deshalb ist das Königliche Spiel dort Volkssport. Die Fußballer gucken da ganz schön dumm aus der Wäsche, obwohl die Nationalmannschaft von unserem Berti Vogts (noch) betreut wird. Bewegt hat der "Terrier" nicht gerade viel, es sind eben auch die Strukturen, die den von der Sportführung geforderten großen Leistungssprung verhindern.

Im Schach sieht es dagegen ganz anders aus, nicht nur, weil der Binnenstaat in Vorderasien zwischen Kaspischem Meer und dem Kaukasus 2009 Europameister wurde. Coach war damals in Novi Sad der umtriebige Surab Asmaiparaschwili. Es war der erste große Teamwettbewerb, der gewonnen werden konnte, und das mit unheimlichem Glück (der Berliner würde treffender sagen:"Die haben ‚Mehl’ gehabt!") In einem theoretisch remisen Turmendspiel zwischen Wugar Gaschimow und dem Niederländer Daniel Stellwagen, macht der mit Schwarz in der folgenden Stellung einen unheimlichen Fehler:



70...Tf4?? (bei allen anderen vernünftigen Turmzügen - beispielsweise 70...Tb4 - sichert der h-Bauer Schwarz das Remis) 71.Ke6! h4 72.f7 Kg6 73.f8D Txf8 74.Txf8 Kg5 75.Ke5 [1-0]

"Das ist Schach!", so der Kommentar von "Asmais", dessen Team seinerzeit in Runde 3 Deutschland (Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Friedman, Jan Gustafsson) 2,5:1,5 geschlagen hatte.

Zwei Jahre später trifft das "Team Germany" in identischer Aufstellung in der Vorschlussrunde auf den Titelverteidiger - und verlangt ihm nicht nur alles ab (Berti Vogts würde hier sagen "Man sieht sich immer zweimal...). sondern ist felsenfest davon überzeugt, diese Aufgabe besser als 2009 zu lösen, Da ist er vielleicht, der "Geist von von Porto Carras"...

Nach dem glücklichen 2,5:1,5 am Vortag gegen Außenseiter Rumänien, war das Quartett hoch motiviert. Und das aus gutem Grund. Wollte man in den Medaillenrängen bleiben, musste ein Sieg her! Und vielleicht entsprach der folgende Verlauf des Matches durchaus dem Schlachtplan von Bundestrainer Uwe Bönsch?!

Auf Resultat spielen nennt man das, was an Brett 2 Georg gegen Wugar Gaschimow und an Brett 4 Jan gegen Eltaj Safarli clever praktizierten. Das sieht nicht unbedingt schön aus, aber es ist in diesem konkreten Fall erfolgreich. Jedenfalls gab es im Ergebnis zwei problemlose Remisen. Vielleicht stand Gusti in dem Turmendspiel sogar irgendwo einmal eine Nuance besser, aber mehr wohl nicht...

Ganz anders ging es dagegen an den Brettern 1 und 3 zur Sache. Während gestern Arkadij noch unheimlich "Massel" bei seiner Punkteteilung hatte, war ihm heute in seiner Partieanlage gegen Teimur Radjabow - der war bis zu diesem Zeitpunkt noch ungeschlagen - anzumerken, dass er dieses "Alles oder Nichts!" zum Prinzip machte. Weil er nicht zuletzt wusste, wie wichtig sein Resultat für sein Team war. Und der Aserbaidschaner ließ sich von Anfang an auch auf diesen erbitterten Fight mit offenem Visier ein. Mir kam es zeitweise vor wie bei einem Boxkampf zweier Weltklasse-Schwergewichtler, die ohne Deckung den anderen ausknocken wollen - ohne Rücksicht auf Verluste...

 Radjabow, Teimur - Naiditsch, Arkadij
18. EM, Runde 8, Brett 1, 10. November 2011
Réti-Eröffnung [A09]

1.Sf3 d5 2.c4 d4 3.b4 f6 4.d3 e5 5.b5 a6 6.bxa6 Sxa6 7.g3 Lb4+ 8.Ld2 Se7 9.Lg2 0-0 10.0-0 Ld7 11.Lxb4 Sxb4 12.Db3 Sec6 13.Sbd2 De7 14.Db2 Ta7 15.Sb3 Tfa8 16.a3 Sa6 17.Se1 Sd8 18.Sc2 Lc6 19.f4 Lxg2 20.Kxg2 c5 21.e4 Sf7 22.Sd2 Sb8 23.f5 Sd7 24.g4 Dd8 25.Tab1 Da5 26.Sf3 Sd6 27.Kh1 Ta6 28.Da1 Kh8 29.g5? [In dieser Schlüsselstellung, in der Weiß sicherlich schlechter steht, will Teimur nun zuviel, ansonsten hätte er wohl oder Übel auf Verteidigung mit 29.Kg2 umgeschaltet] 29...fxg5 30.Tg1 [aber nicht 30.Sxg5?? wegen 30...Dd2; vielleicht hatte er das übersehen, und fortan dominiert nur noch Schwarz] 30...h6 31.h4 gxh4 32.Tbf1 [32.Tg6] 32...b5 33.cxb5 Dxb5 34.Dd1 c4 35.dxc4 Db7 36.Sb4 Txa3 37.c5 Sxe4 38.c6 Dxb4 39.cxd7 Db7 40.Kh2 Ta2+ 41.Tg2 Dxd7 42.Sxh4 Txg2+ 43.Kxg2 Sf6 44.Sg6+ Kh7 45.Sxe5 Dd5+ 46.Sf3 Ta2+ 47.Kh1 d3 48.Kg1 De4 49.Tf2 De3 50.Sd2 Dd4 [0-1]

Weitere Partien zum Nachspielen und Download finden Sie bei www.chessbase.de.

Mit diesem Sieg unseres Spitzenspielers, vor allem mit Schwarz, konnten wir das Match nicht mehr verlieren, und ich persönlich denke, dass die Art und Weise, wie Arkadij einen absoluten Weltklassemann bezwang, seine schärfsten Kritikern hoffentlich endlich den Wind aus den Segeln genommen hat. Mit unseren zur Zeit noch einzigen 2700er-Mann sind wir jedenfalls immer für Weltklasse-Teams zu beachten!

Doch das Match war noch längst nicht entschieden. Es wurde zu einem echten Thriller, denn an Brett 3 tobte eine ebenso heiße Schlacht zwischen unserem Daniel und Schachrijar Mamedjarow. Wer gedacht hätte, dass unser Mann mit Schwarz gegen den "Killer" im aserbaidschanischen Team vorsichtig zur Sache gehen würde - Scharijar hatte bis dahin +4 (!) vorzuweisen - der irrte gewaltig.

Am Brett saß "Daniel Löwenherz", der in einem unglaublich spannenden Endspiel mit Turm gegen Läufer und Springer an Zähigkeit nicht zu überbieten war. "Unser Meister, der Verteidigung, so Uwe Bönsch spontan. Jedenfalls stellte sein Kontrahent nach 59. Lb1 sichtlich genervt und enttäuscht alle Gewinnversuche ein. Nicht zuletzt, weil seine Zeit äußerst knapp war...

Nach dem 2,5:1,5 gegen Ungarn, dem sensationellen 3,5:0,5 gegen die Ukraine feierte das deutsche Team nun im Top-Spiel des Tages einen ebenso unglaublichen 2,5:1,5-Sieg gegen Aserbaidschan. "Du solltest mich einfach einmal zwicken, ich kann das nicht glauben" bat der Bundestrainer den Live-Kommentator Klaus Bischoff spontan beim anschließenden Interview.

Mit 13:3 Mannschaftspunkten ist das "Team Germany" nun vor der Schlussrunde auf Platz 2 -gleichauf mit den Armeniern, aber die haben bei der Brettwertung einen Zähler mehr eingesammelt (21,0:20,0). Und der amtierende Mannschaftsweltmeister ist unser abschließende Gegner. Was für eine Herausforderung! Und ein spannenderes Szenarium für das Finale gibt es nicht, wie es auch immer ausgehen mag...

"Wir wollen natürlich jetzt um die Goldmedaille spielen, so eine Chance kommt nicht so schnell wieder", gibt sich Uwe Bönsch kämpferisch. Und in der Tat, bei einem 2:2 könnte es passieren, dass Deutschland sogar aus den Medaillenrängen fliegt und Armenien auf der Zielgeraden doch noch von Titelverteidiger Aserbaidschan (12:4/20,0) überholt wird, wenn mindestens 3,5:0,5 gegen Rumänien gewinnt. Diese letzte Variante scheint nicht aussichtslos zu sein.

Für unsere Jungs käme es nämlich dann ganz dicke, wenn nicht nur dieser Fall eintritt, sondern gleichzeitig Bulgarien (12:4/18,5) auf Bestellung 4:0 gegen Ungarn triumphiert. Was auch zeigt: Alles ist noch möglich!

Auf Rechenspielchen dürfen sich deshalb die Bönsch-Schützlinge also gar nicht erst einlassen. Und vielleicht ist das als zusätzliche Motivation auch gut so, den EM-Gipfel gemeinsam zu stürmen. Verdient hätte es unser Team allemal, und genug Selbstbewusstsein dürfte nach den zurückliegenden acht EM-Tagen getankt worden sein, wie Arkadij beweist: "Die Krönung wird vielleicht morgen folgen...
Noch einmal alles geben und hoffen, dass es mit bisschen Glück zu einer Medaille reicht...."

Weitere Partien zum Nachspielen und Download finden Sie bei www.chessbase.de.

Mehr Infos zu unserer Tagebuch-Schreiberin finden Sie auf Melanies Homepage www.melanie-ohme.de.

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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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