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Europameisterschaften Melanies EM-Tagebuch [8]
Europameisterschaften

10.11.2011

9. November - 8. Tag: Frauen im Pech und Männer auf Platz 3!

Bevor ich vom heutigen Tag berichte, noch ein kurzer Nachtrag zum letzten Abend. Obwohl das Treffen in der Purple Bar eigentlich als Zusammenkunft beider Mannschaften gedacht war, fand sich nur eine kleine Runde um 22.30 Uhr in dem hoteleigenen Club ein. Trotzdem wurde es ein netter Abend und wir hatten großen Spaß daran meine Partie gegen Irina Bulmaga (siehe Bericht 7) auseinander zu nehmen. Wir kamen zu dem Schluss, dass das Turmendspiel wahrscheinlich gewonnen ist und ich bis auf ein paar Ungenauigkeiten auch gar nicht so schlecht gespielt habe wie ich dachte. Für mich hat sich der Abend schon allein deswegen gelohnt, weil mir Rainer eine tolle Jogging-Strecke verraten hat, die ich unbedingt noch testen will. Das wird aber gar nicht so einfach werden. Wenn ich spiele, habe ich kaum noch freie Kapazitäten für andere Sachen. Ich brauche meist den ganzen Vormittag für die Vorbereitung und abends ist es dann meist schon zu dunkel (ich habe ja bisher auch immer sehr lange gespielt).

Foto (euro2011.chessdom.com): Sarah Hoolt und Melanie Ohme

Unser heutiger Mannschaftskampf gegen Bulgarien lässt sich eigentlich ganz einfach zusammenfassen: Pech gehabt! Und zwar eine ganze Menge. Dabei sah es nach 90 Minuten eigentlich noch ganz gut aus. Das war der Zeitpunkt, zu dem mir meine Gegnerin Emilija Djingarowa ein Remisangebot machte. Ich hatte mit Schwarz eine leicht schlechtere Stellung und fühlte mich auch nicht so wirklich wohl (und das soll schon was heißen, da ich meine Stellungen normalerweise immer maßlos überschätze). Ich fragte also Raj und warf einen Blick auf die anderen Bretter. In Lises Partie gegen Antoaneta Stefanowa war noch nicht viel passiert, und auch bei Marta sah gegen Iwa Widenowa noch alles normal aus. Sarah stand gegen Adriana Nikolowa sogar besser. So war ich eigentlich sehr optimistisch, dass wir mindestens noch zwei Punkte holen würden. Trotzdem viel es mir nicht leicht, dass Remisangebot anzunehmen. Ich bin eigentlich wirklich nicht der Typ, der schnell remisiert, und meist kämpfe ich bis zur letzten Figur. Schließlich willigte ich doch ein.

Der weitere Verlauf des Matches ließ meine Entscheidung vorerst auch als richtig erscheinen. Marta konnte durch eine nette Kombination eine Figur und anschließend auch die Partie gewinnen, und Sarahs Stellung verbesserte sich kontinuierlich. Auch Lises hatte mindestens Ausgleich, und so wandte ich mich gut gelaunt erst mal den Männer-Brettern zu. Georg hatte,wie ich recht schnell ein Unentschieden erzielt, und Daniels Stellung sah sehr verheißungsvoll aus. Der gegnerische König hatte sich vor die eigenen Bauern begeben müssen, und ich hatte nicht den Eindruck, als ob er dort besonders lange überleben könnte. Arkadij und Rainer standen ausgeglichen.

Als ich Raj mit einem besorgten Gesichtsausdruck auf mich zukommen sah, wusste ich schon, dass nichts Gutes passiert sein konnte. Sarah hatte sich in Zeitnot leider zweizügig mattsetzen lassen. Sehr ärgerlich, da sie eigentlich sehr gut stand, und bei Lise war es inzwischen auch nicht mehr so toll. Bei ihr ging es dann auch positionell stetig bergab. Allerdings spielte ihre Gegnerin auch nicht so genau, sodass immer wieder Hoffnungen auf ein Unentschieden aufkeimten, um bald darauf wieder erstickt wurden. Schließlich musste Lise aufgeben, und wir sahen uns mit einer bitteren 1,5:2,5-Niederlage konfrontiert.

Das Glück, das uns gefehlt hat, kam anscheinend den Männern zu Gute. Als ich das nächste Mal an Arkadijs Brett trat, traute ich meinen Augen kaum. Er hatte plötzlich drei Bauern weniger und ich sah eigentlich überhaupt keinen Lichtblick mehr. Der einzige Hoffnungsschimmer: Sein Gegner hatte keine Zeit mehr. Und so schaffte es Arkadij irgendwie aus dem Nichts heraus, Gegenspiel zu kreieren. Irgendwann verlor sein Gegner dann die Nerven und wickelte in ein remises Turm-gegen-zwei-Bauern-Endspiel ab. Rainer konnte also getrost remisieren und somit den Mannschaftssieg sichern.

Während unserer Mannschaftssitzung zeigte sich, dass mit mangelndem Erfolg die Streitigkeiten zunehmen. Wir werden aber versuchen das Beste draus zu machen und die letzten beiden Runden noch mal alles geben. Morgen haben wir dazu die erste Chance gegen Kroatien - und die wollen wir nutzten!

Melanie Ohme



Ein Marathonlauf wird in der Regel nicht in der ersten Hälfte entschieden, sondern in der Regel zwischen Kilometer 33 und 35. Und genau dort sind wir bei den 18. Mannschafts-Europameisterschaften in der Offenen Kategorie angekommen.

Nach dem deutlich und klar herausgespielten 3:1-Sieg gegen Italien waren unsere Männer wieder in der Erfolgsspur. Allerdings gab es in Runde 7 mit Rumänien ein Gegner, der als krasser Außenseiter - Setzrangliste Platz 17 - gestartet war und nun plötzlich das Feld der 38 Teams anführte.

Dass da keine leichte Aufgabe auf seine Schützlinge zukam, war Uwe Bönsch klar. Und auch bei der Aufstellung hatte er wieder die Qual der Wahl. Diesmal ließ er Jan Gustafsson zuschauern, aber erneut hatte der Bundestrainer ein "goldenes Händchen".
 
Und es lief ja auch glänzend. Erst beendet Georg Meier an Brett 2 seine Partie friedlich, weil er wohl sah, dass Daniel Fridman, bei dessen Sicherheit ich mich gestern zum Vergleich mit der Bank von England hatte hinreißen lassen ist - fünf Einsätze - fünf Remisen - unerbittlich mit Schwarz zuschlug. Freilich mit freundlicher Unterstützung seines Kontrahenten Levente Vajda . Der ist mit seinen 2584-Elo-Punkten nun wahrlich nicht in die Kategorie der schwachen Großmeister einzuordnen...

Jedenfalls dachte er, mit einem angestrebten Damentausch (20.Db3?) Daniel zur sechsten Punkteteilung zu bewegen, doch der erkannte blitzschnell seine taktische Chance - und schlug unerbittlich zu...

Vajda Levente - Fridman, Daniel
18.EM, 7. Rundem Brett 3, 9. November 2011
Französische Verteidigung [C11]

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 Db6 8.Sa4 Da5+ 9.c3 b6 10.Kf2 La6 11.dxc5 [11.h4] 11...Lxf1 12.b4 Le2 13.Kxe2 Db5+ 14.Kf2 bxc5 15.a3 a5 16.bxc5 Sxc5 17.Lxc5 Lxc5+ 18.Kg3 La7 19.Tb1 Dc4

Kaum zu glauben, aber von hieran nimmt das Unglück für Weiß seinen Lauf. Richtig war wohl 20.Sb6, aber der Rumäne wollte die Damen aus dem Spiel nehmen - damit aber war Daniel überhaupt nicht einverstanden und ist bereit, weitsichtig eine Figur zu opfern, die unser "Banker" mit Zinseszins zurück erhält, sprich die Partie schön gewinnt...


Stellung nach 19....Dc4

20.Db3? De4! 21.Db7 0-0! 22.Dxc6 Le3! 23.Kh3 Dxf4 [23...h5] 24.Thf1 Dh6+ 25.Kg3 Tac8 26.Dd7 Tc4 27.h4 Df4+ 28.Kh3 Dg4+ 29.Kh2 Txa4 30.g3 Txa3 31.Sg5 Ta2+ 32.Kh1 Tf2 33.Txf2 Lxf2 34.Dd6 Dxg3 [0-1]

Bleibt die Frage offen, ob Daniel in dieser Partie von dem leider zu früh verstorbenen " Schachzauberer" Michail Tal inspiriert worden ist, der heute seinen 75. Geburtstag gefeiert hätte? Wie der achte Schachweltmeister sind Daniel Fridman und auch Arkadij Naditsch ja in Riga geboren. Wenn das kein gutes Omen ist?!

Leider hackte dann die Live-Übertragung der Veranstalter gerade bei den beiden für uns so entscheidenden Partien von Arkadij und Rainer Buhmann besonders hartnäckig. Nichts ging mehr - es war zum Verzweifeln! Und das war besonders bei dem fast alles entscheidenden Leichtfigurenendspiel an Brett 4 ärgerlich, Nach dem 41. Zug von Schwarz (Michail Marin) war die folgende Stellung auf dem Brett, die der Live-Ticker mit +0,53 für Weiß bewertete und 42.a3 Vorschlug.



Was danach kam, war ein echter Krimi. Das Ergebnis von Rainer: remis, aber Arkadij hatte verloren, so die Meldung., Nun, sicherlich stand er beim Zusammenbruch der Live-Übertragung nicht gerade bestens, aber wenn der Spielfilm gerissen ist - was dann tun?

Gegen 20.30 Uhr dann mit der Bekantgabe der Auslosung bei chess-Results.com. eine Korrektur, die wahrhaftig zum Jubeln Anlass gab: Arkadij hatte remis gespielt, das Match gegen Rumänien war damit 2,5:1,5 gewonnen und das deutsche Männer-Team liegen auf Rang 3 mit 11:3 Mannschafts- und 17,5 Brettpunkten.

Ein Telefonanruf von Bundestrainer Uwe Bönsch klärte schließlich alles auf: "Zunächst stand Arkadij mit drei Bauern weniger klar auf Verlust, aber er zeigte in dieser schwierigen Situation eine große kämpferische Leistung. Vielleicht hätte er in einem Turnier die Partie aufgegeben, aber hier ging es um sein Team. Als der Gegner dann in Zeitnot, machte der einen dicken Fehler, den Arkadij gnadenlos ausnutzte. Ehrlich, dass wir heute gewonnen haben, ist wirklich ihm zu verdanken."

Wie heißt einer der passenden Sprüche von Savielly Tartakower:, der Constantin Lupulescu jedoch nicht trösten dürfte " Eine gewonnene Partie ist erst gewonnen, wenn der Gegner aufgibt oder matt ist..." Pech gehabt, würde der Berliner sagen...

Und natürlich braucht es auch ein wenig Glück, was unserem Spitzenbrett gegen Wesselin Topalow zwei Tage zuvor fehlte, wo er ja einem Remis durch Zugwiederholung auswich, dann mehr wollte als ging und verlor...

In der vorletzten Runde gibt es nun den unerwarteten Showdown mit Titelverteidiger Aserbaidschan. "Alles oder nichts!" könnte man dieses Match fraglos überschreiben. Aber selbst bei einer Niederlage hat unsere Männer-Mannschaft, sowohl das deutsche Schach bestens vertreten als hoffentlich auch so manche Zweifler wegen der Nominierung dieses Quintetts zum Schweigen gebracht. Um es klipp und klar zu sagen: Es ist das derzeit spielstärkste Aufgebot, was Schach-Deutschland zu bieten hat. Und wie sagte doch Rainer Buhmann, der 2003 zum EM-Bronze-Team im spanischen Leon gehörte: "Ich bin stolz darauf, dass ich wieder für die Nationalmannschaft nominiert wurde!"
Dem ist wirklich nichts hinzufügen, außer: Viel Erfolg gegen Aserbaidschan!

Weitere Spitzenpaarungen in Runde 8 - die Live-Übertragung beginnt um 14 Uhr - sind:
Armenien-Niederlande, Rumanien-Ungarn, Bulgarie -Italien und Russland- Frankreich.

Mehr Infos zu unserer Tagebuch-Schreiberin finden Sie auf Melanies Homepage www.melanie-ohme.de.

Tagebuch: 1. Teil | 2. Teil | 3. Teil| 4. Teil | 5. Teil | 6. Teil | 7. Teil

Weitere Partien zum Nachspielen und Download finden Sie bei www.chessbase.de.
[Turnierseite]
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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