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Europameisterschaften Melanies EM-Tagebuch [6]
Europameisterschaften

08.11.2011
7. November, 6. Tag - Stimmungstief in beiden deutschen Teams

Und dabei hatte ich mich so auf den heutigen Tag gefreut... Ich durfte auch mal aussetzen und hatte schon ausführlich geplant, was ich so alles mit der plötzlich verfügbaren Freizeit anstellen wollte. Nicht dass ich nicht gerne spiele. Ganz im Gegenteil: Ich habe zurzeit noch mehr Freude als sonst am Schach und genieße eigentlich jede Partie. Aber so ein freier Tag ist auch was Schönes - vor allem wenn jeden Tag die Sonne scheint und man sonst eigentlich nur im Zimmer sitzt und sich vorbereitet.

Foto (Uwe Bönsch): Die deutsche Frauenauswahl auf dem Weg zur dritten Runde. Im Schlepptau Raj Tischbierek.
Auf meiner To-do-Liste standen neben ein paar Uni-Sachen eben auch Joggen, Schwimmen (draußen) sowie vor allem in der Sonne sitzen und lesen. Schon als ich heute Morgen auf den Balkon trat wusste ich, dass der Tag doch nicht so toll wird. Statt warmem Sonnenschein erwarteten mich dunkle Wolken und ein kühler Wind. Na toll! Ich versuchte das Beste daraus zu machen und beschäftigte mich zunächst mit meinen Büchern und Skripten, die ich bei einem plötzlichen Anfall guter Vorsätze in meinen Koffer gepackt hatte. Dann versuchte ich die positiven Seiten zu sehen und mir einzureden, dass Joggen bei Sonnenschein gar nicht so viel Spaß macht und ein kühles Lüftchen doch ganz angenehm sein kann.

Ich schlüpfte also in meine Turnschuhe und machte mich mit meiner Stoppuhr auf den Weg, eine geeignete Jogging-Route zu finden. Dies stellte sich als äußerst schwierig heraus. Zunächst suchte ich einen Weg am Strand entlang und musste jedoch bald feststellen, dass ich in einer Sackgasse gelandet war. Auch die andere Richtung erwies sich als wenig erfolgversprechend und so musste ich wohl oder übel an der Straße entlang rennen, um schließlich meine Runden auf einem nahe gelegenen Golfplatz drehen. Zu allem Übel wartete Uwe dann auch noch mit seiner Kamera auf mich, als ich völlig k.o. wieder in der Hotelanlage eintraf.

Na ja, wenigstens hatte ich heute mal die Gelegenheit die Partien der Männer etwas genauer zu verfolgen. Bereits nach einer Stunde zeichnete sich ab, dass das Match gegen Bulgarien kein leichtes werden würde. Die Live-Übertragung zeigte an, dass unsere Männer bereits nach wenigen Zügen wesentlich mehr Zeit verbraucht hatten als ihre Gegner. Allerdings meinte Raj später, dass das zumindest in Jans Partie nicht der Fall gewesen sei, was vielleicht auf eine mangelhafte bzw. fehlerhafte Übertragung schließen lässt.

Nach einer Stunde hatte Arkadij gegen Wesselin Topalow eine ausgeglichene Stellung erreicht, und auch bei Jan war gegen Kiril Georgiew alles im grünen Bereich. Daniel und Georg hatten beide leicht schlechtere Stellungen und mussten zunächst erst einmal um Ausgleich kämpfen.

Als ich mich das nächste Mal ausführlicher den Partien widmete, hatte Jan bereits Remis gespielt. Anscheinend war alles nach Vorbereitung verlaufen und der halbe Punkt niemals in Gefahr gewesen.
Daniel musste sich weiterhin gegen das starke Läuferpaar seines Gegners verteidigen und bei Arkadij war noch nicht so viel Aufregendes passiert. Georgs Partie versprach spannend zu werden. Mit den schwarzen Steinen versuchte er den Angriff von Iwan Tscheparinow zu stoppen, und es sah eigentlich auch so aus, als ob ihm das gelingen würde.
Das war der Stand, als ich mich auf den Weg in den Turniersaal machte. Als ich dort ankam sah ich gerade noch, wie Arkadij und Georg kurz hintereinander aufgeben mussten. Arkadij war mit Blick auf die anderen Stellungen einer Zugwiederholung ausgewichen und hatte kurz darauf die Partie eingestellt. Georg konnte dem ständigen Druck durch die weißen Figuren schließlich doch nicht standhalten. Der Mannschaftskampf war also schon verloren und Daniels Remis gegen Alexander Deltschew war dann nur ein kleiner Trost für die deutsche Männer-Mannschaft, die sich nach dem gestrigen tollen Erfolg gegen die Ukraine bestimmt mehr erhofft hatten.


Elisabeth Pähtz


Anna Musitschuk, Elisabeth Pähtz

Nach dem ersten Blick auf die Stellungen meiner Mannschaft war ich noch ganz guter Dinge. Sarah hatte zwar gegen Teresa Olsarowa gerade etwas Gegenspiel zugelassen, stand aber immer noch ganz gut und die Positionen von Lena und Lise sahen auch vielversprechend aus. Einzig Martas Stellung gegen Katerina Nemcova bereitete mir etwas Sorgen... allerdings ist es bei ihr nicht ungewöhnlich, dass sie schlechtere Gegner einfach so lange aussitzt, bis diese einen Fehler machen.

Dann ging jedoch alles ganz schnell: Sarah und Marta stellten quasi gleichzeitig ihre Partien ein, so stand es plötzlich 0:2 gegen uns. Lena hatte in Zeitnot ihre Gegnerin Kristina Havlikova etwas entkommen lassen, stand aber immer noch besser, und Lise hatte gegen Eva Kulovana auch einen leichten Vorteil. Am Ende reichte es aber nur bei Lena für einen Sieg, und so verloren wir das Match leider mit 1,5:2,5. Als Krönung des heutigen Unglücks-Tages wurde uns soeben auch noch die Auslosung präsentiert. Mit dem an neun gesetzten Team Rumäniens haben wir gewiss keinen einfachen Gegner bekommen, und dass wir morgen gewinnen, ist wirklich bitter nötig. Aber wir wollen - und das nicht nur, um unseren derzeitigen zwölften Platz zu verbessern!

Ach ja, fast hätte ich es vergessen zu berichten: manch einer wird sich wohl über das schnelle 2:2 der Aserbaidschaner gegen die Franzosen gewundert haben. Dieses Unentschieden hat leider eine traurige Ursache: Der aserbaidschanische Spieler Wugar Gaschimow bekam während der Partie einen epileptischen Anfall, und die Franzosen waren so fair nicht nur seine, sondern auch alle restlichen Partien remis zu geben. Inzwischen geht es Wugar jedoch schon wieder besser. Wenn ich könnte, würde ich spontan für dieses vorbildliche sportliche Verhalten einen Fairplay-Preis vergeben!

Melanie Ohme


Die Berichterstatterin (Foto: Uwe Bönsch)


Marta Michna (Foto: Uwe Bönsch)



Sarah Hoolt (Foto: Uwe Bönsch)


Elisabeth Pähtz (Foto: Uwe Bönsch)



P.S. Der nächste Gegner ist immer der schwerste. Sagt man so, und dieser Spruch gilt nicht nur im Fußball. Und auch der nächste wird Ihnen bekannt vorkommen: Gegen Bulgarien kann man nur verlieren...

Jedenfalls nach den beiden unerwarteten Siegen gegen Ungarn und Olympiasieger Ukraine sowieso. Es muss doch verdammt schwer sein, von dieser "Wolke Sieben" wieder herunter zu kommen und sich daran zu erinnern: Wir haben erst vier von neun Runden hinter uns, und mit uns punktgleich - nämlich bei 7:1 - sind Titelverteidiger Aserbaidschan, Frankreich, Spanien und eben Bulgarien. Und die haben eine verdammt scharfe Doppelspitze mit Wesselin Topalow und Iwan Tscheparinow. Schon ein 2:2 - egal wie es zustande gekommen wäre - hätte unserem Team wohl keiner verübelt, oder?! Aber vergessen wir nicht: Mannschaftskämpfe haben nun einmal ihre eigenen Gesetze!

Nun unser erfolgreiches Quartett - zum dritten Mal in Folge musste Rainer Buhmann zuschauen - wollte mehr. Vielleicht spielen ja in solchen Momenten die Erwartungshaltungen eine Rolle. Aber dieses unbedingt Wollen ist halt nur die eine Seite der Medaille. In jedem Fall verdient eine solche Einstellung Respekt, und sie sollte keineswegs über Bord gehen, wenn der gewünschte Erfolg dann doch ausbleibt...


Kiril Georgiew

Schauen wir uns die Matchchronologie an. Es begann mit einem Remis nach 21 Zügen von Jan Gustafsson (Schwarz) gegen Kiril Georgiew (2666). Die Schlussstellung - siehe Diagramm ist ausgeglichen, aber in der Zeit hatte Gusti nach 21...b4 noch 31 Minuten, bei seinem Kontrahenten waren dagegen noch 1:21 Stunden auf der Uhr. Aber da meine Informationsquelle halt in diesem Fall die Live-Übertragung ist, könnte da mit der Zeitnahme, wie Melanie zu berichten weiß, vielleicht doch etwas nicht in Ordnung gewesen sein...



Dass die Entscheidung an den beiden Spitzenbrettern fallen würde, war eigentlich nicht nur den Experten ziemlich klar, zumal Wesselin Topalow (2769) eine Runde zuvor Weltcup-Gewinner Peter Swidler bezwungen hatte, was seinem "ewigen" Sekundanten Iwan Tscheparinow (2650) gegen Sergej Karjakin ebenfalls gelungen war. Und bei beiden ist es völlig egal, welche Farbe sie haben, denn sie lieben ein dynamisches Schach, das vom Ringen um Aktivität lebt.


Iwan Tscheparinow

Tscheparinow, Iwan - Meier, Georg
18. EM, Runde 5, Brett 2, 7. November 2011
Angenommes Damengambit [D24]

1.d4 e6 2.c4 Sf6 3.Sf3 d5 4.Sc3 dxc4 5.e4 Lb4 6.Lxc4 Sxe4 7.0-0 Sxc3 8.bxc3 Le7 9.Se5 0-0 10.Dg4 Sc6 11.Lh6 Lf6 12.Tae1 Kh8 13.Lf4 Lxe5 14.dxe5 f5 15.Dh5 De8 16.Dh4 Se7 17.Lg5 Sg8? [17...Sg6 oder 17...Sd5 sind dagegen spielbare Alternativen!] 18.Te3 b6 19.Td1 Lb7 20.Le2 h6 21.Tg3 Le4 22.f3 Ld5 23.c4 Lb7 24.f4 Le4 25.Lh5 Da4 26.h3 Lc6 27.Le7, und hier wurde ein 1-0 für Tscheparinow eingeblendet.



Fragt sich, allerdings warum. Sicherlich geht eine Qualität verloren, aber ist das dann schon das Aus?

Die Schlussstellung gibt in jedem Fall Rätsel auf. So scheint 27...Dxa2 möglich zu sein, beispielsweise 28.Lxf8 Txf8 29.Td8 Dxc4 30.Kh2 Db4 31.Ld1 Txd8 32.Dd8 De7, und wie kommt Weiß nun voran? Beim Live-Ticker erhalten wir für die Stellung auch nur leichten weißen Vorteil mit +0.13 ausgewiesen. Laut ChessBase muss nach 27.Le7 die Übertragung abgerissen sein. Sollten wir die restlichen Züge auf Umwegen erhalten, liefern wir sie selbstverständlich nach!


Iwan Tscheparinow, Wesselin Topalow


Arkadij Naiditsch gegen Wesselin Topalow

Klar, dass Arkadij gegen den ehemaligen FIDE-Weltmeister damit unter enormen Druck stand, denn er musste jetzt wohl gewinnen oder aber zumindest remis halten. Das Daniel die Kastanien aus dem Feuer holen würde, daran war nicht zu denken. Unser Spitzenbrett hatte dann lange Zeit einen Bauern mehr - allerdings bei dynamischen Gleichgewicht.

Naiditsch, Arkadij - Topalow, Wesselin
18. EM, Runde 5, Brett 1, 7. November 2011


Stellung nach 32.Te4

32...Tf8+ 33.Tf4 Te8 34.Df3? [mit 34.Te4 hätte Arkadij hier das Remis wegen dreimal gleicher Stellung erzwingen können, aber er war im Interesse seines Teams halt gezwungen, mehr zu wollen...] 34...Dc5+ 35.d4 Dxc4 36.g4? [36.Te4 sollte die Partie immer noch halten können, während der Textzug sofort verliert] 36...g5! 37.Tf5, und Weiß gab gleichzeitig auf, weil Schwarz nun mit einem kleinen taktischen Trick in ein gewonnenes Bauernendspiel abwickelt: 37...Txe2+ 38.Dxe2 Dxe2+ 39.Kxe2 Lxg4+ 40.Tf3 Lxf3+ 41.Kxf3 Kf7 [0-1]


Wesselin Topalow


Alexander Deltschew

Das Match waren damit also beim Stand von 0,5:2,5 für unseren Deutschland-Vierer verloren, zumal Daniel Fridman gegen Alexander Deltschew (2629), der am Vortag immerhin den Russen Alexander Morosewitsch bezwungen hatte, wohl in seiner Eröffnung mit Weiß doch zu anspruchslos agiert hatte. Mit seinen nunmehr vier Remisen ist er fraglos unsere sicherste Bank - das ist viel, aber leider in solchen Situationen eben zu wenig...
Die Schlussstellung nach 34...h5 ist jedenfalls nicht zu gewinnen. Wie heißt es so schön: Turmendspiele sind sowieso remis...



Weitere Partien zum Nachspielen und Download finden Sie bei www.chessbase.de.

Bildergalerie vom Bulgarienspiel















Die Spitze bei den Männer ist nach wie vor eng zusammen, nur die Bulgaren haben sich durch den heutigen Erfolg jetzt mit 9:1 Zählern um einen Mannschaftspunkt abgesetzt. Mit jeweils 8:2 Punkten gleichauf sind Rumänien nach dem 2,5:1,5 gegen die Niederlande, Titelverteidiger Aserbaidschan, Frankreich und Gastgeber Griechenland (2,5:1,5 gegen Spanien!). Und selbst die nachfolgenden fünf Teams von Armenien, Deutschland, Italien, Spanien und Russland (konnte heute das Prestigeduell gegen die Ukraine mit 2,5:1,5 für sich entscheiden) sind mit 7:3 Zählern auf den Plätzen 6 bis 10 in dieser Reihenfolge noch voll im Titelrennen dabei.

Ganz wichtig wird es sein, wie Arkadij, Georg, Daniel, Jan und Rainer mit der ersten Niederlage als Team umgehen. Immerhin hatten sie bei der Paarung der nächsten Runde durchaus Glück. Sie spielen gegen Italien - und das ist eine durchaus schlagbare Mannschaft.

Bei den Frauen sollte dagegen nach Runde 5 zumindest im Titelkampf eine Vorentscheidung zu Gunsten von Russland gefallen sein. Nadeschda und Tatjana Kosintsewa, Alexandra Kostenjuk und Natalja Pogonina bezwangen im Spitzenduell Georgien 2,5:1,5. Mit fünf Siegen hat das russische Team jetzt die besten Aussichten, den angestrebten Hattrick zu realisieren.

Mehr Infos zu unserer Tagebuch-Schreiberin finden Sie auf Melanies Homepage www.melanie-ohme.de.

Tagebuch: 1. Teil | 2. Teil | 3. Teil| 4. Teil | 5. Teil

Fotos: euro2011.chessdom.com / Uwe Bönsch

Weitere Fotos von Uwe Bönsch
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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