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Schulschach Vielfältiges Bekenntnis zum Schulschach beim Kongress in Ettlingen
Schulschach

15.11.2011

Zum 4. Deutschen Schulschachkongress kamen am vergangenen Wochenende (11.-13. November) über 120 Lehrerinnen, Lehrer und Übungsleiter in Ettlingen zusammen, um sich über das Schulschach in Deutschland auszutauschen und an 21 Workshops zum Schulschach teilzunehmen.

Foto: Kasparow begeistert vom Methodenkoffer - v.l.n.r. Stefan Löffler, Walter Rädler, Garri Kasparow, Kirsten Siebarth und Dascha Kasparow


Bei Walter Rädler im Workshop musste am Brett gearbeitet werden

Es begann mit einem sehr schönen zufälligen Zusammentreffen zweier Ereignisse, das die Bandbreite der Verbandsarbeit zeigte. Der DSB-Präsident Herbert Bastian reiste zur Podiumsdiskussion, mit der traditionell der Schulschachkongress beginnt, mit der begeisternden Botschaft an, dass Deutschland gerade Mannschaftseuropameister geworden war. Zugleich traf er auf über 120 Personen, die sich mit viel Engagement in den Schulen tagtäglich darum bemühen, Schach zu verbreiten, Kinder und Jugendliche für Schach zu begeistern, Schach im Schulalltag zu platzieren.

Der DSB-Präsident hatte aber auch für die Arbeit der Kongressteilnehmer positive Signale nach Ettlingen mitgebracht. Die Podiumsdiskussion drehte sich um die Frage, ob sich der Deutsche Schachbund und die Deutsche Schachjugend verstärkt dafür einsetzen sollen, dass Schach ein Schulfach wird. Beispiele dafür gibt es, verstreut über ganz Deutschland, unterdessen viele. Wenn es an Schulen dazu gekommen ist, dass Schach als reguläres Schulfach mit und ohne Noten angeboten wird, dann ist dies aber auf Eigeninitiativen von einzelnen Schulen, Direktoren oder Lehrern zurückzuführen, wie dies die beiden Diskussionsteilnehmer Monika Küsel-Pelz (Direktorin der Grundschule Genslerstraße in Hamburg) und Bernd Mallmann (Schulschachreferent in Rheinland-Pfalz und Lehrer an einer Gesamtschule in Trier) aufzeigten.

In Hamburg belegt jeder Grundschüler das Schulfach Schach. In Trier kann Schach als benotetes Wahlpflichtfach gewählt werden, nachdem das Kultusministerium in Rheinland-Pfalz den Lehrerplan für Schach an Gesamtschulen offiziell genehmigt hat.

Wie in Hamburg wird auch an mehreren anderen Grundschulen Schach als Schulfach gelehrt. Und so verwundert es nicht, dass Monika Küsel-Pelz stellvertretend für diese Schulen den Wunsch an DSB und DSJ vorbrachte, dass sie sich flächendeckend für Schach als Schulfach einsetzen sollten. Und natürlich schloss sich Bernd Mallmann diesem Wunsch an.

In der Podiumsdiskussion wurde von den Lehrern klar gemacht, dass sie dabei der Gedanke an eine Mitgliedersteigerung beim Verband nicht antreibt, sondern ihr Bildungsauftrag gegenüber den Schülern, bei dessen Umsetzung Schach eine wichtige Hilfestellung bieten kann. Die für Schach gewonnenen Schüler in die Vereine zu bekommen, diese Aufgabe müssen Verband und Vereine schon selber lösen, zum Beispiel durch eine stärkere Vernetzung, wie es Herbert Bastian vorschwebt.

Kirsten Siebarth, Schulschachreferentin der DSJ und Vorsitzende des AK Schulschach, und Herbert Bastian nahmen den Auftrag gerne an, sind sich aber dessen bewusst, dass es sich um ein langfristiges Ziel handelt. Wenn Schach als Schulfach eingeführt werden soll, dann müssen zum Beispiel zuvor auch die Fragen nach der flächendeckenden Schachausbildung der Lehrkräfte beantwortet werden. Das Schulschachpatent I und II mit seinen bisher mehr als 2500 vergebenen Zertifikaten kann da nur ein Mosaikstein sein – wenn auch ein großer. Eigentlich ist eine unvezichtbare Grundvoraussetzung für die angestrebten Veränderungen, dass es gelingt, in die universitäre Pädagogenausbildung einzudringen.


Heinz Rätsch die Trainerlegende hielt gleich zwei Workshops ab.

Wenn man Schach als Schulfach einführen möchte, kommt man außerdem um die Beantwortung der Frage nach einer Benotung nicht herum. Und in dieser Frage unterschieden sich die Meinungen auf der Podiumsbühne doch recht deutlich voneinander.

Herbert Bastian und auch der Präsident des Badischen Schachverbandes, Fritz Meier, stärkten den Kongressteilnehmern den Rücken, in dem sie sich hinter deren Arbeit stellten und die Bedeutung für das organisierte Schach herausstrichen. Herbert Bastian brachte sogar die Idee einer eigenständigen Säule Schulschach neben Leistungsschach und Breitenschach ins Gespräch.

Die Unterstützung der Schulschacharbeit unterstrichen der Badische Verband und die Badische Schachjugend sehr deutlich dadurch, dass sie sich intensiv bei der Deutschen Schulschachstiftung und der DSJ um die Ausrichtung des Kongresses beworben hatten, um mit dieser Veranstaltung im eigenen Land dem Schulschach einen neuen Schub zu geben.

Dass sie dabei auch in der Politik auf offene Ohren stoßen werden, machte der Staatssekretär des Kultusministeriums von Baden-Württemberg Frank Mantrup deutlich, der sich für eine verstärkte Integration von Schach in den Schulalltag aussprach und zugleich versprach, sich verschiedene Schulschach- und Kindergartenprojekte persönlich anzuschauen. Ein Ziel der Schachverbände in Baden und Württemberg muss es jetzt zum Beispiel sein, Schach in die Lehrerfortbildungsinstitute in Baden-Württemberg zu bekommen.

Dies oder auch die Umsetzung der Schachstudie Trier in den Ländern zeigt deutlich, was Herbert Bastian mehrmals betonte: Zu nachhaltigen Erfolgen kommen wir alle nur, wenn die verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten. Der Arbeitskreis Schulschach und die Deutsche Schachjugend können die Vorlagen für die Länderebenen geben und tun dies reichlich, die Vorlagen verwerten müssen im föderalen Bildungssystem aber die Länder selbst!

Auf dem eigentlichen Kongress stellten sich die Teilnehmer aus 21 Workshops ihren ganz persönlichen Ausbildungsplan zusammen. Zudem konnten sie verschiedene Unterrichtsmaterialien anschauen und ausprobieren auf dem "Markt der Möglichkeiten", auf dem viele Schulen ihre Schulschacharbeit präsentierten.

Das Angebot in den Workshops umfasste die Vorstellung von Unterrichtsmaterialien und von Lehrmethoden, die Präsentation von ausgewählten Schachschulen in Deutschland sowie Fragen der Organisation von Schulschach bis hin zu Kindergartenprojekten und der Thematik Schule/Verein. Die Auswahl war vielfältig und bot allen die gewünschten Themen.

Und wer neue Ideen erhalten hatte und die dazu gehörenden Materialien gleich mit nach Hause nehmen wollte, der konnte am Stand der Deutschen Schulschachstiftung den Einkauf direkt vornehmen. Und das taten die Kongressteilnehmer dann reichlich.

So fand zum Beispiel der Methodenkoffer der Deutschen Schachjugend viele neue Benutzer. Denn mit ihm und den darin enthalten 30 Methoden lässt sich ein abwechslungsreicher und kindgerechter Schachunterricht problemlos anbieten.


Der DSB Ehrenpräsident Prof. Robert von Weizsäcker im Gespräch mit den Schulschachfachleuten und Garry Kasparow.

Der Methodenkoffer, der nun schon in zweiter Auflage angeboten wird, fand in Garri Kasparow, dem 13. Weltmeister der Schachgeschichte, einen neuen prominenten Fan. Am Freitagvormittag vor Kongressbeginn traf sich eine Abordnung von DSB und DSJ (Ehrenpräsident Prof. Dr. Robert K. Frhr. von Weizsäcker, Kirsten Siebarth, Walter Rädler) in München mit dem russischen Exweltmeister. Organisiert hatte dieses Meeting der bekannte Schachjournalist Stefan Löffler, der sich derzeit sehr stark im Schulschach in Wien engagiert.

Garri Kasparow hat zusammen mit der Europäischen Schachunion eine europaweite Initiative zur Förderung des Schulschachs gestartet. Wie sich in München herausstellte, liegen er und unsere Vertreter mit ihrer Vorstellung von Schulschach sehr nahe beieinander, denn beide sehen im Schulschach eine eigenständige Bedeutung und kein verkapptes Vereinsschach, wie dies in vielen osteuropäischen Ländern der Fall ist.

Als Kirsten Siebarth ihm dann den Methodenkoffer zeigte, war er sehr beeindruckt und ließ sich im Detail die einzelnen Lehrmethoden vorstellen. Er bat zugleich um Zusendung des Methodenkoffers, um ihn in seine Kampagne für das Schulschach einzubinden, so wie schon die Trierer Schulschachuntersuchung Eingang in seine Präsentation gefunden hat.

Abgerundet wurde der Kongress am Samstagabend durch eine stimmungsvolle Schachpädagogische Nacht mit einem herausragenden Büfett und einem regionalen Kulturprogramm. Zum Abendessen spielte die Jazz-Combo des Max-Planck-Gymnasiums Karlsruhe, und am späteren Abend unterhielt Werner Puschner, Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Schule, die Gäste mit feinsinnigen, humorvollen, selbstverfassten Texten. Begleitet wurde er von seiner Tochter mit klassischer Musik am Flügel.

Organisiert wurde die Schachpädagogische Nacht wie der gesamte Schulschachkongress vom Schachklub Ettlingen mit Thomas Weber an der Spitze. Unterstützt wurde er von gut 20 Vereinsmitglieder, Mütter und Väter der Vereinsjugend, die sowohl die Kongressteilnehmer toll betreuten als auch für die Verpflegung und einen reibungslosen Ablauf sorgten. Von wegen es gibt kein ehrenamtliches Engagement mehr. Der SK Ettlingen beweis eindrucksvoll, dass es dies sehr wohl noch gibt. Vielen herzlichen Dank dafür!

Ein weiterer Dank geht an den Badischen Schachverband, die Badische Schachjugend und ChessBase für die Unterstützung der zweitägigen Veranstaltung in Ettlingen.

Der Termin für der nächste Schulschachkongress steht auch schon fest. Er findet in Dormund/Nordrhein-Westfalen vom 9. bis 11. November 2012 statt.

Jörg Schulz für den AK Schulschach
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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