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Europameisterschaften Nach dem EM-Triumph die große Chance nutzen - Oder auf zu neuen Ufern?!
Europameisterschaften

12.11.2011

Es lohnt, manchmal in der Stunde des Sieges zurückzuschauen. Unmittelbar nach seiner Wahl am 4. Juni in Bonn zum Präsidenten des Deutschen Schachbundes betonte Herbert Bastian in seinem Beitrag "Danke schön!" [DSB-Meldung vom 9.Juni]:

"Es ist unser Ziel, auf der kommenden Europameisterschaft im November in Griechenland mit den wirklich stärksten Mannschaften sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern anzutreten. Keineswegs sind wir nämlich daran interessiert, dass der Deutsche Schachbund in der Zweitklassigkeit verschwindet!...

Gens una sumus - versuchen wir in diesem Sinne künftig eine gemeinsame Sprache zu sprechen!
"



Foto (Raj Tischbierek): Der neue Europameister kommt aus Deutschland. V.l.n.r. Bundestrainer Uwe Bönsch, Arkadij Naiditsch, Trainer Rustam Kasimdschanow, Jan Gustafsson, Daniel Fridman, Rainer Buhmann, Georg Meier

Wie der historische und sicherlich auch sensationelle Sieg des Männer-Teams bei der 18. Europameisterschaft beweist, haben die DSB-Verantwortlichen in den fünf Monaten sehr gute Arbeit geleistet, die unsere Sportart Schach durch einen nicht hoch genug einzuschätzenden sportlichen Erfolg - er ist nur mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der Schacholympiade 2000 in Istanbul gleichzusetzen - wieder in den Fokus der Öffentlichkeit bringt. Wann hat es das schon einmal gegeben, dass das ZDF auf seinem Videotextportal beim Sport auf Seite 234 eine Meldung zum Schach bringt? Eine faustdicke Überraschung sorgt eben in den Medien für Schlagzeilen - und das ist gut so!


Bildschirmfoto ZDF-Videotext

Wie wir allerdings diese große Chance nutzen, zu neuen Ufern aufzubrechen, liegt jetzt ganz sicher an uns allen.

Aber vielleicht hat uns ja unser Quintett mit seinem beiden Trainern Uwe Bönsch und Rustam Kasimdschanow in Porto Carras den Weg in die richtige Richtung gezeigt. Neben der individuellen sportlichen Leistung, die bei einem absoluten Höhepunkt wie es die EM ist, stimmen muss, ist der Teamgeist der alles entscheidende Garant für den Erfolg.

Und gerade was diesen während einer Partie unsichtbaren Faktor angeht, so haben Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman, Jan Gustafsson und Rainer Buhmann hier eine Qualität bewiesen, die ihnen nicht einmal die kühnsten Optimisten zugetraut haben werden.

Mal ehrlich: Wenn Ihnen einer eine Wette angeboten hätte, dass Deutschland Schach-Europameister wird, da hätten Sie doch keinen Cent drauf gesetzt, oder?!

Und wann gab es das jemals, dass wir uns bei einer EM vor Russland platzieren konnten, dieser Schach-Übernation, wo das königliche Spiel nicht nur Sport, sondern auch Kulturgut ist? In Porto Carras fehlte lediglich Exweltmeister Wladimir Kramnik, aber allein das Startranking von Peter Swidler, Alexander Grischuk, Sergej Karjakin, Alexander Morosewitsch und Ian Njepomnjaschtschi von 2758 gegenüber 2666 der deutschen Mannschaft ließ einen Klassenunterschied vermuten.

Dass es nicht zu einem direkten Duell mit den "Übermächtigen" kam, hat seine Ursache: Die russische Batterie war einfach leer, die Ergebnisse schon wie bei der Manschafts-Weltmeisterschaft im Juli in Ningbo (China), wo es gerade noch zu Platz 4 reichte, mehr als durchschnittlich. Platz 5 in Porto Carras dürfte nicht ohne Folgen zumindest für den Coach Jewgenij Barejew bleiben, der schon einmal zurückgetreten war und nun auf Bewährung den Job erneut übernommen hatte...

Die "verkehrte Welt" trifft ebenso auf die Ukraine zu. An 2 gesetzt, belegte der Olympiasieger von 2010 nur Platz 15, wobei die größte Demütigung das 1:3 gegen die Schweiz war. Die Eidgenossen leisteten sich sogar den Luxus, ohne Viktor Kortschnoi in dieses Match zu gehen. Nebenbei gesagt, gehört dem großen alten Mann des Schachs - er war schon bei der EM-Premiere 1957 dabei und ist inzwischen im 81. Lebensjahr - nicht nur mein tiefer Respekt. Mit 3/8 ist sein Ergebnis aller Ehren Wert (u.a. Remisen gegen Spitzengroßmeister wie Iwan Tscheparinow, Luka Menic unf Michael Roiz).

Doch zurück zu unserer Mannschaft, die so professionell auftrat wie noch nie - nicht nur äußerlich war das in der Anzugsordnung zu sehen (Danke UKA!).

Wenn man diesen grandiosen Triumph - und er wird es immer bleiben - sportlich hinterfragt, so ist neben dem unglaublichen kämpferischen Potenzial die Leistungsausgeglichenheit im Team dafür eine der Hauptgründe. Keiner aus dem Quintett fiel ab - ganz im Gegenteil. Das beweist auch ein Vergleich von aktueller Elo-Zahl und Ratingperformance:

Arkadij Naiditsch 2712 2794
Georg Meier 2659 2750
Daniel Fridman 2661 2692
Jan Gustafsson 2633 2732
Rainer Buhmann 2612 2717

In den neun Matchen gegen Montenegro (3:1/Platz 25), Israel (2:2/14), Ungarn (2,5:1,5/3), Ukraine (3,5:0,5/15), Bulgarien (1:3/7), Italien (3:1/11), Rumänien (2,5:1,5/9), Aserbaidschan (2,5:1,5/3) und Armenien (2,5:1,5/4) wurden nur zwei Partien verloren (Arkadij Naiditsch und Georg Meier traf das gegen die bulgarische Doppelspitze Wesselin Topalow/Iwan Tscheparinow).

Und zumindest jeder der "glorreichen Fünf" konnte für sich mindestens einmal in Anspruch nehmen, der Matchwinner gewesen zu sein - sei es durch einen vollen Punkt oder aber auch durch ein Unentschieden - so wie Jan Gustafsson in der allerletzten Partie mit seinem theoretischen Remisendspiel mit Läufer gegen Turm gegen den Armenier Gabriel Sargissjan uns letztlich diesen verdammten EM-Pokal und die Goldmedaille endgültig sicherte. Was muss das für ein Leidensweg für Gusti gewesen sein - um dann endlich um 17.17 Uhr zum "Helden von Porto Carras" aufzusteigen...

Gut bewährt hat sich auch, dass dem Wunsch der Spieler nach einem Eröffnungstrainer seitens des DSB entsprochen wurde. Jedenfalls ist Rustam Kasimdshanow ein absoluter Glücksgriff gewesen. Es war doch auffällig, dass unsere Spieler problemlos aus der Eröffnungsphase kamen - und mit der Französischen Verteidigung (Rainer Buhmann, Daniel Fridman und Georg Meier) - wenn sie denn der Gegner zuließ - dreimal einen vollen Punkt einfuhren.

Was ein Blick in die Zukunft angeht, also die beschworenen "neuen Ufer", so muss einem nicht bange sein. Das Durchschnittsalter von 29,4 Jahren des neuen Europameisters signalisiert, dass der internationale Höhenflug nicht abgeschlossen sein muss. Zumal eine junge Generation um den 19-jährigen Niclas Huschenbeth, die im Oktober immerhin den Mitropapokal gewann, bereits nachdrücklich signalisiert: Wir nehmen eure Herausforderungen an! Bundestrainer Uwe Bönsch, der in Griechenland seine Wunschmannschaft spielen lassen konnte, ist damit durchaus in einer formidablen Situation.
Hoffen wir, dass er und die für die Nationalmannschaft Verantwortlichen das Beste daraus machen können. Zumindest die Hauptsponsoren HonorarKonzept, UKA und ChessBase werden manches leichter machen, weil Erfolg nun einmal Vertrauen schafft.

Und nun aber zu unseren Frauen, die mit Platz 8 durchaus ein gutes Ergebnis vorweisen können.
Wie Sie wissen, hatten wir uns ja bewusst für Melanies EM-Tagebuch entschieden, um vor allem dichter an unseren Teams zu sein, zuvorderst natürlich an der Damen-Mannschaft.

Was die individuellen Leistungen angeht, so dürfte die nachfolgende Übersicht einerseits einen Eindruck wiedergeben und andererseits Schlussfolgerungen zulassen, die ich hier nicht ziehen möchte:

Elisabeth Pähtz 3,5/7 2457 2428
Marta Michna 5,5/9 2382 2382
Melanie Ohme 6,5/8 2361 2521
Elena Levushkina 3,0/5 2307 2340
Sarah Hoolt 2,0/7 2286 2058

Für die ewigen Kritiker sei aber angemerkt, dass die Platzierung nach Leon 2001 (Rang 4) das beste Ergebnis eines deutschen Damen-Teams überhaupt ist. Bei den nachfolgenden kontinentalen Titelkämpfen 2003 (11), 2005 (14), 2007 (11), 2009 (12) war man nicht einmal unter den Top 10. Zur Enttäuschung gibt es also keinerlei Anlass.

Und was die kommenden Großereignisse angeht wie etwa die Schacholympiade im kommenden Jahr in Istanbul, so spricht auch hier das Durchschnittalter unseres Frauen-Teams von 25,6 Jahren durchaus noch für eine weitere Leistungssteigerung, obwohl es vor allem fraglos ein nicht zu unterschätzendes Problem ist, Familie, Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bringen. Bekanntlich ist von einer Profilaufbahn in jedem Fall abzuraten...

Dass im Frauen-Schach nach wie vor Russland das Maß aller Dinge ist, machte Porto Carras erneut deutlich. Mit 17:1-Mannschaftspunkten - lediglich Vizeeuropameister Polen gelang ein ehrenvoll ausgekämpftes 2:2 - sind die Russinnen, die damit einen EM-Hattrick schafften, sicher das Maß aller Dinge. Natürlich ist die Basis für eine solche überragende Vorstellung vorhanden ist. Beispielsweise spielen bei den Landesmeisterschaften zumeist die besten Frauen mit, was in Deutschland leider nicht der Fall ist. Vom EM-Aufgebot war in diesem Jahr lediglich Sarah Hoolt dabei, die dann erwartungsgemäß den Meistertitel gewann.

Aber - siehe unsere Männer - Erfolge kommen nicht aus dem Nichts, sondern haben viele Gründe. In Abwandlung eines alten Spruches könnte man deshalb sagen: Von den Russinnen lernen, heißt siegen lernen! Jedenfalls hindert uns ja keiner daran...

P.S. Zum guten Schluss noch ein Service für Statistik-Freaks. Bei den Frauen ist unsere Melanie Ohme in allen drei Kategorien vertreten, wobei die Leipziger Psychologie-Studentin in der Kategorie "Nach Punkten" sogar einen hervorragenden zweiten Platz erkämpft hat. Bei den Männer haben es Arkadij Naiditsch (Eloperformance) und Rainer Buhmann (nach Prozenten) in diese zugegebenermaßen schwer vegleichbaren TOP 10-Listen gebracht.

Die besten Spieler
[Fotos von Uwe Bönsch]
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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