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Europameisterschaften EM-Erinnerungen an Michail Tal - zum 75. Geburtstag des Schachzauberers
Europameisterschaften

09.11.2011
Es ist nicht anzunehmen, dass am heutigen Mittwoch bei den Europa-Mannschaftsmeisterschaften vor dem Beginn der siebten Runde eine Gedenkminute an Michail Tal zu dessen 75. Geburtstag angesetzt wird. Unsere Zeit ist da wohl zu schnelllebig. Und das hätte der Schachzauberer sicher auch nicht gewollt. Wilde Partien für die Galerie in Porto Carras wären dagegen ganz im Sinne des 8. Schachweltmeisters - und das nicht nur an diesem für ihn besonderen Tag, an den wir erinnern möchten...

Foto (Wikimedia Commons): Tal-Denkmal in Riga

Dass er 1957 bei der EM-Premiere in Wien noch nicht im siegreichen UdSSR-Team stand, ist aus heutiger Sicht nicht zu erklären. Immerhin gewann er damals zum ersten Mal die Landesmeisterschaft bei äußerst starker Besetzung (Bronstein, Keres, Spasski, Kortschnoi Petrosjan, Taimanow, um nur einige der Schachschwergewichte zu erwähnen). Der gerade 20jährige Hochschüler musste sich dagegen mit den Studenten-Weltmeisterschaften in Reykjavik begnügen - was er ohne Widerspruch tat...

In den folgenden drei Jahren konnte allerdings niemand mehr Mischa bei seinem Sturm auf den WM-Thron aufhalten, und so war er schließlich im Mai 1960 am Ziel seiner Träume: Er hatte die Schachkrone Michail Botwinnik entrissen, der freilich sein Revancherecht nutzte, und zwölf Monate später die alte Ordnung in der Schachwelt wiederherstellte.

Diese schmerzliche Niederlage löste jedoch bei Tal keine schöpferische Krise aus, "obgleich ich dies einige Male lesen musste. Ich debütierte in der Rolle des Exchampions bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Oberhausen und konnte drei Monate später bei einem gut besetzten Turnier in Bled den 1. Platz belegen", schreibt er in seinen Erinnerungen (Sein Lebenswerk, Band 1, 1949-1961, Nettetal 1998, Verlag Schach! Jürgen Daniel).

"Standesgemäß" wurde er für die zweite EM in Oberhausen an Brett 2 nominiert, was ihn nicht hinderte "zu zaubern", wie das folgende Beispiel beweist:

Torán Albero, Román - Tal, Michail
2. EM, 1. Runde, Oberhausen, 21. Juni 1961
Englische Eröffnung [A21]

1.c4 e5 2.Sc3 d6 3.g3 f5 4.d4 e4 5.f3 Sf6 6.Lg2 exf3 7.Sxf3 g6 8.0-0 Lg7 9.e4 fxe4 10.Sg5 0-0 11.Sgxe4 Sxe4 12.Txf8+ Dxf8 13.Sxe4 Sc6 14.Le3 Lf5 15.Dd2 Te8 16.Sg5



Tal merkt in seinem Kommentar an, dass dieses weiße Streben nach Verwicklungen nicht vorteilhaft ist, sondern 16.Sc3 den Vorzug verdient hätte. Wie wir sehen schlägt beim Spanier jetzt der Blitz ein...

16...Txe3! 17.Ld5+ [Tal schlägt hier 17.Lxc6 vor, worauf er entweder 17...Te7 18.Lxb7c5 mit Kompensation für den Bauern spielen wollte oder sich auf ein unklares Endspiel eingelassen hätte: 17...De7 18.Ld5+ Kf8 19.Sxh7+ Ke8 20.Kf2 Lh6 21.Te1] 17...Kh8 18.Sf7+ Dxf7 19.Lxf7



19... Td3! [Da blitzt sie auf, die Talsche Magie - dieser Turmzug ist die Pointe seiner Kombination, nach der Weiß zwangsläufig verliert] 20.De2 Lxd4+ 21.Kg2 Se5 22.Td1 Te3 ["Die abschließenden Manöver sind ganz amüsant", so Tal in seinen Anmerkungen für die Zeitschrift Schachmaty] 23.Df1 Le4+ 24.Kh3 Tf3 25.De2 Lf5+, und Weiß gab auf! [0-1]

Bei seinen neun Einsätzen standen am Ende 5,5 Punkte auf dem Konto des jüngsten Exweltmeisters der Schachgeschichte, wobei er von Lajos Portisch, dem "ungarischen Botwinnik", im Talschen Stil bezwungen wurde.

Portisch, Lajos - Tal, Michail
2. EM, 4. Runde, Oberhausen, 24. Juni 1961
Französische Verteidigung [C05]
 
1.d4 e6 2.e4 d5 3.Sd2 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.c3 Sc6 7.Sdf3 Db6 8.g3 cxd4 9.cxd4 f6 10.Lh3 fxe5 11.fxe5 Lb4+ 12.Kf1 Nf8 13.Ne2 Ng6 14.Kg2 0-0 15.Lg4 Ld7 16.h4 La5 17.Tb1 Db5 18.h5 Sge7 19.h6 g6 20.Lg5 Sf5 21.Lxf5 Txf5 22.g4 Txf3 23.Kxf3 Lb6 24.Kg3 Tf8 25.Dd2 Lc7 26.Lf4 Le8 27.Thf1 Lb6 28.Tf2 Sb4 29.Tbf1 Sd3 30.Tf3 Dxb2 31.Dxd3 Lb5



Es folgt nun das sehenswerte Finale einer "wilden Schlacht", an der beide Kontrahenten ihren Anteil hatten: 32.Lg5! Tf5 33.Dc3 Lxd4 34.Dc8+ Kf7 35.Dc7+ [1-0]

Zu seiner Zeit war Tal übrigens noch ein glühender Anhänger der Französischen Verteidigung - erinnert sei nur an die denkwürdige Partie gegen Bobby Fischer bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig...

Auch bei den Europameisterschaften in Kapfenberg 1970, in Bath 1973, in Moskau 1977 und in Skara 1980 gehörte Michail Tal den sowjetischen Goldmedaillen-Gewinner-Teams an. Ob es Zufall war, dass er dabei bei seiner letzten EM in Schweden hinter Weltmeister Anatoli Karpow wie bei seinem Debüt fast zwei Jahrzehnte zuvor erneut an Brett 2 zum Einsatz kam? Mit seiner Elo-Zahl von 2705 (Tolja war nur 20 Zähler besser) gehörte er damals jedenfalls nach wie vor zur absoluten Weltspitze, obwohl das Resultat - vier Remisen, eine Niederlage - alles andere als erfreulich für ihn gewesen sein muss. Karpow kam übrigens genau auf die gleiche bescheide Bilanz.

Dass die Sowjets mit ihrem "Achter" dennoch den siebten Titel in Folge gewinnen konnten, verdankten sie neben der ausgeglichenen Teambesetzung zuvorderst den beiden "Reservisten" IM Artur Jussupow (3,5/4) und dem noch 16jährigen IM Garri Kasparow (5,5/6) sowie dem späteren "Mr. Bundesliga" Rafael Waganjan an Brett 8 (4,5/6).

Skara freilich deutete unmissverständlich den Generationswechsel in der Weltspitze an. Den neuen hoffnungsvollen Stars hätte ein gesunder Mischa Tal sicherlich noch Paroli bieten können, denn die Liebe zum Schach des im Juni 1992 mit nicht einmal 56 Jahren verstorbenen Magiers war ungebrochen:

"Schach ist meine Welt. Das ist kein Haus, keine Festung, wo ich mich gegen menschliche Sorgen verschanze, sondern die Welt, die ich mit vollen Zügen genieße, weil ich in ihr wirke.

Ich liebe die Atmosphäre der Turniere, die Matches und nicht zuletzt Diskussionen über die Schachkunst, obwohl sie nicht einstimmig sind. Viele meiner Freunde, vielleicht der größte Teil von ihnen, spielt kein Schach oder beherrscht es nur laienhaft. Und dennoch habe ich mit ihnen vor allem eines gemeinsam - die Liebe zum Schach! Und in diesem Sinne sind wir Großmeister für sie notwendig - genauso, wie sie es für uns sind....

Oft stelle ich mir die Frage: Wie viele Jahre werde ich noch fähig sein, in Turnieren zu spielen? Man sagt, dass das in allen Lebensaltern möglich sei. Ich jedoch glaube, dass das nur teilweise stimmt. Sagen wir beispielsweise, falls es um eine Partie mit dem Freund am Kaffeetisch geht. Aber ich habe den Kampf auf Großmeisterebene im Sinn. Also, wie viele Jahre bleiben mir noch?

Jeder Schachmeister spürt irgendwann das Herannahen einer Spielkrise. In der fünften Stunde treten Ermüdungserscheinungen auf, das Berechnen langer und forcierter Varianten fällt einem schwerer. Und es drängt sich in einer solchen Situation die Schicksalsfrage auf: Soll ich die Partie fortsetzen, mich mit einem Remis zufrieden geben oder mich sogar vom Turnierschach zurückziehen? Doch das Spielverständnis ist noch immer hoch, ungebrochen stark ist die Liebe zum Schach. Und ausgerechnet hier, allen Unkenrufen zum Trotz, hat man dir im letzten Turnier einen Schönheitspreis für eine von Dir gespielte Partie verliehen...

Ich will aufrichtig bekennen - ich werde nicht mehr imstande sein, den Weg in den Ausscheidungskämpfen um die Schachkrone zu bewältigen. Doch Schach werde ich weiterhin spielen, weil es mir dabei nicht nur darum geht, einen Spitzenplatz zu belegen, sondern weil Schach einfach auch ein hinreißendes Spiel ist. Allerdings kein leichtes.
"

P.S. Vielleicht sollten die EM-Veranstalter nicht nur in Porto Carras künftig den ausgelobten Schönheitspreis nach Michail Tal benennen - es wäre mehr als nur eine schöne Geste - und sein 75. Geburtstag durchaus ein würdiger Anlass...

Ganz dem Geiste des furchtlosen Schachromantikers aus Riga, bei dem das Schachbrett so häufig in Flammen stand wie bei keinem anderen, wird sich das 6. Michail-Tal-Memorial verpflichtet fühlen, das vom 16. November bis 5. Dezember in Moskau stattfindet. Die Besetzung (Elo-Durchschnitt 2775!) jedenfalls ist wohl die beste, die es jemals bei dieser Veranstaltung gegeben hat: Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Levon Aronjan, Wladimir Kramnik, Sergej Karjakin, Wassili Iwantschuk, Boris Gelfand, Peter Swidler, Ian Njepomnjaschtschi, Hikaru Nakamura. Und natürlich interessiert in diesem Zusammenhang, ob "Naka" erstmals von seinem neuen Trainer Garri Kasparow gecoacht wird. Immerhin hat der einen Wohnsitz in der russischen Hauptstadt...
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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