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Europameisterschaften Die unendliche Geschichte des Viktor K.
Europameisterschaften

08.11.2011
Wie das Regelwerk auch immer umgeschrieben wird, welche neuen Sterne auch immer am Schachhimmel auftauchen, Viktor Kortschnoi wird weiter kämpfen und kämpfen und kämpfen.

Genna Sosonko

Es gibt sie tatsächlich noch, jene unglaublichen Geschichten, die man sich nicht ausdenken muss, sondern die das Leben schreibt. Und das auch im Schach...

Foto (Uwe Bönsch): Viktor Kortschnoi bei der EM mit seinem Kapitän Martin Leutwyler

Beim Überfliegen der Aufstellungen der 38 Teams in der Open-Kategorie – mit der Luxemburgerin Fiona Steil-Antoni habe ich nur eine einzige Frau gefunden, obwohl Damen für die Männer-Mannschaften ihrer Länder spielberechtigt sind – blieb mein Blick unwillkürlich bei den Eidgenossen hängen. An Brett 2 – Sie ahnen es schon – ist Viktor Kortschnoi für die Schweiz in Porto Carras nicht nur gemeldet, sondern er hat die ersten fünf Runden auch gespielt. Seine Bilanz dabei: ein Sieg, drei Remisen und eine Niederlage, also 50 Prozent. Nicht schlecht, oder?! Aber muss er sich das wirklich noch antun?

Für den wahrhaft großen alten Mann des Schachs, der am 23. März diesen Jahres seinen 80. Geburtstag feierte, ist Schach jedoch nun einmal sein Leben.

Aber ist das wirklich so normal? Zumal mit zunehmendem Alter bekanntlich die Fehlerquote und damit die Misserfolge wahrscheinlicher sind.

"Außer Schach interessiert ihn nichts. Absolut nichts! Er räumt manchmal den Geschirrspieler aus, aber damit hat es sich auch. Das ist mir allerdings auch ganz lieb so", sagte Petra, die Frau an seiner Seite, in einem Interview der Zeitschrift SCHACH, die den Menschen Viktor K. wohl am besten kennt.

Mit fast 5000 dokumentierten Partien hält der viermalige UdSSR-Landesmeister, der 1976 in den Westen emigrierte, um Schach spielen zu können, einen Rekord für die Ewigkeit. Von der Schachlegende Robert James Fischer sind in der Big Database gerade einmal 953 Partien erfasst, vom Patriarchen des Sowjet-Schachs Michail Botwinnik sind es 1086...

Und Viktor Kortschnoi, den Exweltmeister Garri Kasparow zurecht als einen der größten Wahrheitssucher im Schach charakterisiert, denkt ja noch längst nicht daran, in den Ruhestand zu gehen, wie gerade seine Teilnahme an den 18. Mannschafts-Europameisterschaften in Griechenland beweist.

Mag sein, dass der Mann, den sie einst "Viktor den Schrecklichen" nannten, zu diesem kontinentalen Championat eine besondere Beziehung hat. Muss er wohl auch. Schon 1957 bei der Premiere in Wien gehörte er bereits zum siegreichen sowjetischen Team. In der Zehner-Mannschaft hielt er damals Brett 8 und war mit seinen 5,5/6 natürlich einer der Garanten für die Goldmedaille. Und auch 1961 in Oberhausen, 1965 in Hamburg, 1970 in Kapfenberg und 1973 in Bath – hier hatte er sich inzwischen an Brett 2 hinter Exweltmeister Tigran Petrosjan vorgekämpft – war Viktor Teammitglied beim Serien-Europameister UdSSR.

Durch seine Flucht in den Westen – er kehrte vom IBM-Turnier in Amsterdam 1976 nicht mehr zurück – war er als Staatenloser für Mannschaftswettbewerben zunächst quasi "gesperrt". Erst 1989 – da wehte der "Wind of Change" bereits spürbar über Europa – tauchte der inzwischen 58-Jährige wieder bei der EM auf – diesmal für die Schweiz, dessen Staatsbürgerschaft er angenommen hat. Nicht aber die Neutralität ( "Ich will von ihr nicht angesteckt werden".). Natürlich diesmal und bei den drei folgenden Titelkämpfen 1992, 1997 und 1999 jeweils an Brett 1.

Dass er die 13. EM 2001 in Leon/Spanien ausließ, wo Deutschland hinter den Niederlanden und Frankreich erneut Platz 3 wie zwei Jahre zuvor in Batumi belegte, war jedoch kein Abschied für immer. 2003 in Plowdiw und 2005 in Gothenburg kehrte er ins Schweizer Team zurück – und selbstverständlich an sein gewohntes erstes Brett. Und nach einer erneuten Pause 2007 war er auch in Novi Sad 2009 die Nummer 1 der Eidgenossen.

Mit seinem nunmehr 13. Europameisterschaftsstart dürfte Viktor Kortschnoi einen weiteren Rekord für die Ewigkeit geschrieben haben. Von den einstigen Mitstreitern des derzeit ältesten Hochleistungssportlers der Welt beim ersten EM-Titelgewinn leben übrigens noch Mark Taimanow (Jahrgang 1926) und Juri Awerbach (Jahrgang 1922). Aber sie spielen halt nicht mehr aktiv und hatten wohl auch nie den unbändigen Ehrgeiz von Viktor Kortschnoi, der im Grunde nicht nur eine Schachpartie spielt, sondern sie lebt. Wobei er auch eine besondere Beziehung zu Niederlagen hat, wie er das anschaulich in dem gerade beim SpringerWienNewYork erschienenen empfehlenswerten Buch Schach und Alter (Herausgeber Ernst Strouhal) beschreibt:

"Wissen Sie, ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel 'Schach ist mein Leben'. Wenn ich also eine Partie verliere, ist das für mich eine bedeutende Sache. Schach ist es, wofür ich lebe, die Menschen können nicht von meinem Schach lernen, wenn ich nicht in der Lage war oder nicht mehr bin, eine vernünftige Partie zu spielen

Verlieren? Ich hatte in meinem Leben viele schwierige Zeiten...
1950, mit 19 Jahren, war das eine schwierige Erfahrung. Wenn jemand eine solche Kränkung zum ersten Mal erlebt, ist das schmerzhaft, schmerzhaft für den ganzen Körper. Aber wenn einem eine solche Verletzung zum zweiten Mal, ja zum zehnten Mal widerfährt? Macht das die Sache des Verlierens wirklich leichter? Leute, die das behaupten, kann ich nicht glauben! Man mag sich mit der Zeit rascher von Niederlagen erholen, aber physisch bleibt der Schmerz.
"

Dass Viktor Kortschnoi niemals ein "richtiger" Schachweltmeister geworden ist - sieht man von dem Seniorentitel 2006 einmal ab – dürfte gewiss auch eine solche schmerzhafte Erfahrung für ihn sein. Und dennoch hat er weiter gekämpft, und spielt und spielt. Bei Europa-Mannschaftsmeisterschaften sind es bis zum vergangenen Montag 60 Partien (+15 =31 –14) gewesen – und das Ende ist nach wie vor offen!

Geben wir abschließend noch einmal Garri Kasparow das Wort:

"Der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Kortschnoi findet sich in den Anmerkungen zu seinen eigenen Partien. Er ist gnadenlos mit sich selbst und äußerst kraftvoll und objektiv in seinen Einschätzungen! Dieser außerordentlich kritische Zugang zum Schach, den er von frühester Jugend an entwickelt hat, ermöglicht es ihm, auch weiterhin klar zu denken und sich immer noch weiter zu entwickeln. In Verbindung mit seiner robusten Gesundheit ist dies die Grundlage seines langen Schachlebens..."
[Turnierseite]
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Veröffentlicht von Raymund Stolze



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