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110. Schweizer Einzelmeisterschaften 2010

von Thomas Pähtz, Hannes Wendling und Pauline Mertens

18. - 26. Juli 2010

Turnierseite

  Halbzeit bei den 110. Schweizer Einzelmeisterschaften

Thomas Pähtz
Deutsche Delegation: 1. Reihe v.l. Sonja Maria Bluhm, Alina Zahn, Pauline Mertens, Jan-Marius Holzapfel, Jonas Lampert, Thomas Pähtz; 2. Reihe v. l. Oliver Gerntke, Lars Urban, Fridolin Mertens, Sebastian Hocke, Florian Wendling, Hannes Wendling

Großer Andrang im Jugendlager

Die Urlaubs- und Wintersportregion Lenzerheide, im idyllischen Kanton Graubünden gelegen, ist derzeit Austragungsort der 110. Schweizer Einzelmeisterschaften. Fast schon traditionell gibt sich Altmeister und Titelverteidiger Viktor Kortschnoj die Ehre. Gleich zwei amtierende Weltmeister gehen mit Alexandra Kosteniuk (Frauen) und Cebalo Miso (Senioren) an den Start.

Insgesamt 365 Teilnehmer, verteilt auf die sechs Kategorien Meister-Titelturnier, Hauptturniere I-III, Senioren-Titelturnier und Allgemeines Senioren-Turnier, kämpfen um die Punkte. Das im zweijährigen Abstand im Rundensystem ausgetragene Meisterturnier ermittelt den Titelträger des Schweizer Herrenmeisters unter 10 qualifizierten Teilnehmern, darunter 5 Großmeister und 5 Internationale Meister. Mit Alexandra Kosteniuk, die erst seit kurzem den Schweizer Pass besitzt, kämpft erstmalig auch eine Frau um die Krone des Schweizer Schachbundes. Nach fünf der insgesamt neun Runden liegt ein Quartett gemeinsam mit dreieinhalb Punkten in Führung: Pelletier, Kortschnoj, Kosteniuk und Gallagher, deren bisheriges Abschneiden keine Überraschung darstellt. Als weiterer Mitfavorit galt auch Florian Jenni, der sich aber abgeschlagen mit nur eineinhalb Punkten aus dem Titelrennen bereits verabschiedet hat.

Im Haupttunier I sind mit den Großmeistern Williams, Cebalo, Sher und Cherniaev die Favioritenrollen vergeben. Letztgenannter war allerdings das erste prominente Opfer der Nullkarenzregelung, die auch bei dieser Meisterschaft zur Anwendung kommt. Von diesem Schock offenbar noch nicht richtig erholt verlor er in der vierten Runde überraschend gegen den Deutschen Ralf-Axel Simon und damit wohl auch die Chance auf den Turniersieg. Nach der fünften Runde liegen mit viereinhalb Punkten Cebalo, Nuri und IM Carron an der Tabellenspitze, dicht gefolgt von Sher, Williams, IM Klauser u.a. mit jeweils vier Zählern.

Im Jahre 2008 entstand zwischen GM Thomas Pähtz und dem im Schweizer Jugendschach engagierten IM Markus Klauser die Idee eines meisterschaftsbegleitenden Jugendlagers. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde die Idee erstmals umgesetzt und erntete prompt großen Zuspruch. Durch die zahlreiche Inanspruchnahme des Lagers in Grächen 2009 beflügelt, war es für die Organisatoren eine Selbstverständlichkeit, den Nachwuchsspielern auch in diesem Jahr diese einzigartige Gelegenheit zu bieten. Gleich 60 Teilnehmer ergriffen die Chance, die Meisterschaft mit zusätzlichem Großmeistertraining zu kombinieren. Zum Trainingsprogramm, welches von GM Thomas Pähtz und seinem Assistenten Hannes Wendling durchgeführt wird, gehören unter anderem eine nach Spielstärke gestaffelte Trainingseinheit am Vormittag, die Analyse der Partie eines jeden Spielers und die all abendliche Kommentierung der schönsten Partien. Dabei treffen Jugendliche aus der Schweiz, Spanien und Deutschland auf einander.

Die junge Deutsche Delegation ist mit 11 Teilnehmern angetreten. U.a. sind mit Sonja-Maria Bluhm (amtierende Deutsche Meisterin U12w), Jonas Lampert (U 14) und Alina Zahn (U12w) drei Vertreter der Deutschen Nachwuchsspitze mit von der Partie. Zur Halbzeit konnten diese Spieler den an sie gerichteten Erwartungen mit guten Leistungen gerecht werden. Hervorzuheben ist auch das bisherige Abschneiden von Oliver Gerntke (U16), der mit drei aus fünf Punkten im Hauptturnier I überzeugt.

(tp, hw, pm)

  Yannick Pelletier triumphiert in Lenzerheide

Thomas Pähtz
Schweizer Meister: v.l. IM Edwin Bhend (Senioren), WGM Tatjana Lematschko (Frauen), GM Yannick Pelletier (Herren), Nico Georgiadis (U16), Kambez Nuri (U18)

Thomas Pähtz
Sieger Herren: 2.Gallagher 1. Pelletier 3. Forster

Und es war der vierte Streich! Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg sicherte sich der seit einiger Zeit in Frankreich lebende Pelletier zum vierten Mal den wichtigsten Titel des Schweizer Schachbundes. Die eindrucksvolle Bilanz lautet - 5 Siege bei 4 Remis. Dennoch blieb das Turnier bis zuletzt spannend. Vor der letzten Runde ergab sich folgende Situation: an der Spitze des Feldes durften sich neben Pelletier (6 Punkte) auch Joseph Gallagher (5½ Punkte) und Alexandra Kosteniuk (ebenfalls 5½ Punkte) noch Hoffnungen auf den Titel machen, während Richard Forster noch um seine zweite GM-Norm ficht. Die entscheidenden Partien der letzten Runde hießen somit: Pelletier - Huss, Gallagher - Kosteniuk und Forster - Kortschnoj. Wie bereits in der Partie gegen Forster verlor Kosteniuk unglücklich und belegte am Ende den undankbaren 4. Platz, so dass sich Ihre starke kämpferische Leistung (nur ein Remis) leider nicht in der Tabelle ausdrückte. Pelletier hingegen lies gegen den an zehn gesetzten Huss nichts anbrennen und marschierte zum Titel. Richard Forster rang den gesundheitlich angeschlagenen Viktor Kortschnoj nieder und brachte somit seine zweite GM-Norm ins trockene! Nach gutem Turnierbeginn verlor Kortschnoj die Runden 7-9. Auf anraten seines Arztes wird Kortschnoj voraussichtlich nicht zur Olympiade nach Chanty-Mansijsk fahren, da die lange Reise bei seinem derzeitigen Gesundheitszustand zu beschwerlich wäre. Mitfavorit Florian Jenni agierte glück-, teilweise auch etwas lustlos und belegte letztlich einen enttäuschenden 9. Platz.

Für die Teilnehmer des SEM-Jugendlagers fand das Turnier einen sehr erfolgreichen Abschluss. Mit Gabriel Gähwiler (3. U18 und 2. U16), Michael Bühler (1. HT II), Alejandro Colchero (2. HT II), Noé Duruz (1. HT III) und Benjamin Jöri (3. HT III) schafften gleich 5 Jugendliche den Sprung aufs Podest.

Thomas Pähtz
Unser „großer spanischer Weltmeister“ Alejandro Colchero erreichte einen ausgezeichneten 2. Platz im HT II

Thomas Pähtz
Gegen den „kleinen spanischen Weltmeister“ Oliver Colchero sicherte sich Alina Zahn mit einer überzeugenden Vorstellung den Sieg

Aus deutscher Sicht ist vor allem das Abschneiden von Jonas Lampert (5½/9) und Pauline Mertens (5/9) hervorzuheben. Im Hauptturnier II erspielte die zwölfjährige Alina Zahn starke 4½/7 und kam auf den 29. Platz (Setzlistenplatz 117!). Besonders Ihre guten kombinatorischen Fähigkeiten dürften die Konkurrenz in Deutschland aufhorchen lassen.

6. Runde: Meier, Beat - Zahn, Alina

1. ... h4+ 2. Kxh4 Tg2! 3. Lg5 Df4+!! 4. Lxf4 Lf6+ 5. Lg5 Lxg5#

Die 111. Schweizer Einzelmeisterschaften werden vom 07.-15.07.2011 in Leukerbad stattfinden. In diesem Rahmen wird es zur dritten Auflage des turnierbegleitenden Jugendlagers kommen. Interessierte Kinder und Jugendliche können sich gerne an GM Thomas Pähtz () wenden.

(tp, hw)

Thomas Pähtz
Die Trainer Wendling (hinten links) und Pähtz (vorne links) bei der täglichen Arbeit

Thomas Pähtz
Abendliche Partieanalyse im Clubraum

Thomas Pähtz
Unser Jugendleiter IM Markus Klauser

Thomas Pähtz
Der Schweizer U18-Meister Kambez Nuri hatte bereits nach 8 Runden eine IM-Norm erspielt

Thomas Pähtz
Sieger HT1: 2. Kambez Nuri 1. Julien Carron 3. Markus Klauser (Organisator des SEM-Lagers)

Thomas Pähtz
Sieger HT2: 2. Alejandro Colchero (Lagerteilnehmer) 1. Michael Bühler (Lagerteilnehmer) 3. Anton Fux

Thomas Pähtz
Sieger HT3: 2. Cedric Rohner 1.Noe Duruz 3. Benjamin Jöri

Thomas Pähtz
Sieger U16: 2. Gabriel Gähwiler 1. Nico Georgiadis 3. Jan Rindlisbacher

Thomas Pähtz
Sieger U18: 2. Nico Georgiadis 1. Kambez Nuri 3. Gabriel Gähwiler



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